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Wenn Käse und Wein zum Problem werden

Schätzungsweise 2 Prozent der Deutschen vertragen keine Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt, sie leiden unter einer Histaminintoleranz.

Wer nach dem Essen von Durchfällen, unangenehmen Blähungen und Kopfschmerzen heimgesucht wird, einen roten Kopf, Nesselsucht oder eine laufende Nase bekommt, leidet wohlmöglich an einer Histaminintoleranz (HIT).

Bei der HIT ist das Histamingleichgewicht gestört: In den meisten Fällen liegt dabei eine verminderte Konzentration des histaminabbauenden Enzyms Diaminooxidase (DAO) im Darm vor. Es kann aber auch nur die Histaminkonzentration erhöht sein, oder beide Parameter sind pathologisch verändert.

 

Lebensmittel frisch verzehren

Eine histaminreiche Nahrung ruft bei Patienten mit einer HIT neben gastrointestinalen Symptomen (Diarrhö, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen) auch Niesen, eine rinnende Nase und Kopfschmerzen hervor, die bei Frauen zum Teil verstärkt vor der Periode auftreten. Darüber hinaus leiden viele Frauen, die insgesamt deutlich häufiger von einer HIT betroffen sind, an verstärkten Unterleibsschmerzen während der Periode. Zusätzlich kann es zu Flushreaktionen wie Hautrötungen und Hitzewallungen, Urtikaria, Atembeschwerden und Herzrhythmusstörungen kommen.

Besonders histaminreich sind Lebensmittel, die lang gelagert oder gereift sind, da Histamin zumeist bei Reife- und Gärungsprozessen durch Bakterien über die Decarboxylierung der halbessenziellen Aminosäure Histidin entsteht (siehe Tabelle). Zu den prominentesten Beispielen zählen Salami, Sauerkraut, viele Käse- und Fischsorten, Wein und Sekt. Den Patienten ist zu raten, Lebensmittel möglichst frisch zu verzehren, nur kurz aufzubewahren und stets luftdicht zu verpacken. Fischvergiftungen gehen übrigens zumeist auf erhöhte Histaminkonzentrationen zurück, die auch gesunden Menschen zu schaffen machen.

Tabelle: Histaminreiche Lebensmittel

Nahrungsmittel

besonders histaminreich

Beispiele

Alternativen

Fisch

geräuchert, gesalzen, mariniert

Thunfisch, Sardinen, Sardellen, Makrelen, Konserven

(fang)frischer Fisch (ununterbrochene Kühlung)

Käse

lang gereifte oder Rohmilch-Käse

Hartkäse wie Parmesan, reifer Gouda, Emmentaler, Camembert, Brie

Frischmilchprodukte, Butterkäse, junger Gouda

Wurst

getrocknet, geräuchert, gepökelt

Dauerwurst, Schinken, Salami, Konserven

frische, wenig verarbeitete Wurstwaren, Kochwurst wie Leberwurst

Gemüse

mikrobiell vergoren, in Essig mariniert

Sauerkraut, Spinat, Tomaten, Aubergine, Avocado

 

Backwaren

Hefegebäck

luftige Brötchen, Kuchen, Gebäck und Süßigkeiten mit hohem Gehalt an Backtriebmitteln

hefefreies Knäckebrot, hefefreie Biobackwaren, Schwarzbrot

Alkoholika

vor allem trübe, gefärbt, obergärig

Rotwein, Weißwein, Sekt, Weizenbier

in geringen Mengen klare Spirituosen, Pils/Kölsch zum histaminarmen Essen

Neben histaminreichen Nahrungsmitteln kann auch der Verzehr von Nahrungsmitteln, die die Freisetzung von Histamin fördern HIT-Symptome auslösen. Zu diesen so genannten Histaminliberatoren zählen Eiweiß, Fisch, Erdbeeren sowie Alkohol. Des Weiteren können auch Produkte, die reich an anderen biogenen Aminen wie Serotonin, Tyramin oder Phenylalanin sind, eine HIT-Reaktion begünstigen. Denn sie werden ebenfalls von der Diaminooxidase abgebaut, zu der sie in der Regel eine höhere Affinität haben als Histamin. Das bedeutet: Ist das Enzym noch mit anderen biogenen Aminen beschäftigt, kommt es schnell zu einer Histaminüberlastung des Körpers. Betroffene sollten daher zum Beispiel Bananen, Walnüsse, Schokolade und Sojaprodukte meiden.


Diät zur Diagnose und Therapie

Einer HIT kann ein Enzymdefekt zu Grunde liegen, bei dem die DAO nicht ausreichend produziert wird. In diesen seltenen Fällen erfolgt die Diagnose zumeist rasch. Häufiger, aber weniger gravierend ist eine geschwächte Aktivität der DAO auf Grund von Magen-Darm-Infekten. Denn das histaminabbauende Enzym befindet sich hauptsächlich in der Dünndarmschleimhaut, die durch den Infekt geschädigt sein kann. Diese Form der HIT klingt in der Regel mit der Erkrankung wieder ab.

Für die Diagnose einer HIT ist schwierig. Nach einer ausführlichen Anamnese und Ausschluss von organischen Erkrankungen oder einer anderen Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine Eliminationsdiät das Mittel der Wahl. Im Blut können zusätzlich der Histaminspiegel und die DAO-Aktivität gemessen werden, was allerdings noch nicht standardisiert ist.

Der sicherste Weg, eine HIT nachzuweisen ist, den Patienten rund vier Wochen auf eine histaminarme Kost zu setzen und ein Symptomtagebuch führen zu lassen. Denn bei vorhandener Intoleranz bessern sich die Symptome relativ rasch. Um die Diagnose zu erhärten, kann sich an die Diät eine doppelblinde placebokontrollierte orale Provokation anschließen.

Nach positiver Diagnose gilt es allerdings, die histaminarme Diät beizubehalten, was häufig eine drastische Umstellung der früheren Ernährungsgewohnheiten bedeutet. Doch so können die Beschwerden nach der Mahlzeit sicher vermieden werden. Patienten sollten viele Produkte einmal vorsichtig austesten, um nicht etwa auf alle Obstsorten verzichten zu müssen, die reich an biogenen Aminen sind. Allergologisch beraten lassen können sich Betroffene zum Beispiel bei der HIT-Sprechstunde der Uniklinik Bonn (Donnerstag Vormittag unter (02 28) 2 87 54 30) oder beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (www.daab.de, info(at)daab.de), der Mitgliedern Informationen zum Histamingehalt einzelner Nahrungsmittel oder Tipps für eine ausgewogene Ernährung bei einer HIT anbietet.


Medikamente können HIT verstärken

In der Regel begleitet eine Gabe von Antihistaminika (Cetirizin oder Loratadin) die Diät.

H 1 -Antihistaminika, gegebenenfalls mit Steroiden kombiniert, sollten vor der Gabe von Röntgenkontrastmitteln gegeben werden, da diese Histaminliberatoren sind. Dasselbe gilt vor einer Operation, bei der das Muskelrelaxans d-Tubocurarin oder Plasmaersatzmittel wie Dextrane und Hydroxyethylstärke eingesetzt werden. Auch Opioide fördern die Histaminfreisetzung, weshalb HIT-Patienten auch kein Codein zum Hustenstillen erhalten sollten. Unter den freiverkäuflichen Arzneimitteln zählen zudem die Schleimlöser Acetylcystein und Ambroxol zu den Histaminliberatoren. Auch Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Metamizol, verschiedene Antibiotika, Metoclopramid sowie Verapamil können die Histaminwerte erhöhen.

Seit einiger Zeit ist das histaminabbauende Enzym selbst in Tablettenform erhältlich. Die Tabletten haben aber lediglich einen kurzfristigen Nutzen, wenn sie vor histaminreicher Nahrung genommen werden. Bei Bedarf, etwa vor einem Restaurantbesuch genommen, können sie Betroffenen das gesellschaftliche Leben erleichtern, vergleichbar mit Laktase-Tabletten bei Laktoseintoleranz.

Die Präparate Daopure ® und PelLind ® sind als diätetische Lebensmittel zur diätischen Behandlung bei histaminbedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten zugelassen. Beide enthalten DAO und darüber hinaus Vitamin B 6 und Kupfer beziehungsweise Vitamin C, da auch deren Mangel mit einer HIT in Zusammenhang gebracht wird. Die Kapseln werden bei Bedarf bis zu dreimal täglich zum Essen eingenommen. Da es sich bei der Substitution um eine ergänzende bilanzierte Diät handelt, sollte stets ein Arzt hinzugezogen werden.

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